Was ist Sünde?

Guenter Hegele    14. September 2014    1 Kommentar zu Was ist Sünde?

Früher war die „Sünde“ eine „Kernfrage“ christlicher Lehre. Heute gebraucht man das Wort kaum noch im Ernst.

Theologen erklären das Wort nicht mehr mit Bibelzitaten oder aus dem Katechismus. Sprachlich wird zwar zwischen einzelnen Sünden als Tat und Sündig-Sein als Unglaube und Grundeinstellung zu Gott. „Sünde ist die Weigerung, dem zu vertrauen, der der Grund meines Lebens ist“. Es geht also nicht nur um die Übertretung oder Nichterfüllung von Geboten, sondern um die Art des Glaubens an Gott. Der Mensch will „sein wie Gott“ – und wie dieser wissen, was gut und was Böse ist.

Die frühere Auffassung von Sünde war bestimmt von dem damals verbreiteten wörtlichen Verständnis von heute als Mythen symbolisch interpretierten Bibeltexten.

So wurde aufgrund der Paradiesgeschichte das Aufkommen von Sünde der Frau mehr angelastet als dem Mann und Sexualität als sündige Begierlichkeit abgewertet.

Verstöße gegen Verbotenes mussten und konnten dann durch religiöses Personal „verwaltet“ werden: Elementare Glaubensinhalte wie Monotheismus, Mordverbot und Opferbereitschaft wurden durch Detailvorchriften ausgeweitet und kontrolliert, Verstöße dagegen aber auch durch Vergebung zu reparieren.

„Jesus selbst redet nie in lehrhafter Weise über „die“ Sünde. Er gilt als Freund der Sünder (Lk 7,34), sucht (Mk 2,15ff.) und holt sie in die Gemeinschaft. Er vergibt Sünden (Mk 2,5). Im Vaterunser verdeutlicht Jesus, dass man einander Schuld vergeben soll, wenn man Vergebung durch Gott sucht (Mt 6,12). Bei Joh wird Sünde theologisch gefasst als Unglaube (16,9) und geistliche Blindheit (9,39ff.), die den Tod nach sich ziehen (8,24). Paulus entwirft eine umfassende Sündenlehre: Alle Menschen haben gesündigt (Röm 3,23). Noch mehr: sie stehen unter der Herrschaft der Sünde (3,9), die, einer dämonischen Macht gleich, durch den Ungehorsam Adams in die Welt kam. Man ist in ihr gefangen, Befreiung und Erlösung bringt nur Christus (5,12-21). Paulus versteht Sünde u.a. auch als „Begierde“ (7,7); das Begehren des „Fleisches“ bedeutet Feindschaft gegen Gott (8,7). „

Als besonders schwere („Tod“-)Sünden galten: Völlerei, Unkeuschheit, Habsucht, Trägheit, Zorn, Hoffart und Neid.

Die Erbsündenlehre beruht auf der Erfahrung und Erkenntnis, „dass wir in Zustände hineingeboren sind, in denen wir nicht die Verursacher der Sünde sind, sondern schon immer in der Sünde leben.“ (Dorothee Sölle)

Vielfach wird vorgeschlagen, sich vom Begriff der „Erbsünde“ zu lösen und lieber von „struktureller Sünde“ zu reden.

Mit der „Erbsünde“ hat sie gemein, dass man in sie ,hineingeboren ‚wird, sie einfach vorfindet, sie also überindividuell ist. Inhaltlich sagt sie jedoch etwas anderes aus: Es handelt sich um gesellschaftliche, soziale und wirtschaftliche Strukturen, die eine Vielzahl von Menschen involvieren, und zwar einerseits als Opfer dieser Zustände und andererseits als Akteure.

Es ist also naheliegend, auf die Begriffe Sünde und Erbsünde weitgehend zu verzichten. Das Er- und Bekennen von Sünde und Schuld wird im christlichen Glauben entsprechend dem Vaterunser – in die Bitte um Vergebung münden. (z.T. aus einem Text von M.Fricke im „Baugerüst“)

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