Transzendenz

Guenter Hegele    15. September 2014    2 Kommentare zu Transzendenz

Tanszendenz:
Die Überwindung des materialistisch-monistischen Denkens

Das bisherige Verhältnis der Naturwissenschaften zu Philosophie und Theologie war durch ein freundliches Desinteresse geprägt. Der Christenmensch lebte als Naturwissenschaftler, wie einst Gotthold Ephraim Lessing, dichotomisch in zwei Welten: „Im Kopf ein Heide und im Herzen ein lutherischer Christ.ˮ – Es gibt inzwischen keinen Grund mehr, sich damit auch künftig abzufinden.

Die Ergebnisse der Quantenphysik bedeuten, daß sich bestimmte physikalische Sachverhalte wie z.B. die Stabilität der Atome und ihr Linienspektrum nur erklären lassen, indem man zusätzlich zu der alltäglichen „Realität“ der beobachtbaren Dinge, eine weitere ontologische Kategorie einführt, nämlich die Potentialität. Die Quantenphysik hat messbare Beweise für eine auf dem Grunde der erfahrbaren Realität dieser Welt waltende immaterielle Wirklichkeit, aus der unsere Alltagswelt der „Dinge“ in stets schöpferischen Akten neu entspringt. Diese immaterielle Wirklichkeit ist in dem genannten Sinn jenseits von Raum und Zeitund in ihrem Verhältnis zur dekohärenten Materie transzendent.

Eine weit reichende Konsequenz aus der quantenphysikalischen Forschung ist, den, die bisherigen Naturwissenschaften kennzeichenden, ontologischen Monismus ihres Naturverständnisses aufzugeben. So gewiß die Newton´sche Mechanik für die Physik und wohl auch die Chemie unseres Alltags ausreicht und weiter tadellos funktioniert, muß die Naturwissenschaft inzwischen von einer Wirklichkeit „jenseits“ dieser materiellen Welt ausgehen. Die handwerklich-materialistische Sicht auf die Natur bedarf einer Ergänzung, nämlich das Verständnis für eine transzendente Wirklichkeit, die, als reine Potentialität, den Augenschein der aktuellen, dekohärenten Welt „überschreitet“. Dieses „Jenseits“ der Dinge existiert außerhalb von Raum und Zeit und hat eine rein „geistige“ Wirklichkeit. Dies „Jenseits“ manifestiert sich aber in der aktuellen Dinglichkeit der, unseren Sinnen erfahrbaren Welt, aber so, daß das „Jenseits“ und das „Diesseits“, wie die zwei Seiten einer einzigen Medaille, gemeinsam ein Ganzes sind.

Eine zweite Konsequenz ist ein neues Verständnis der kontinuierlichen Zeitlichkeit der Welt. Während in der klassischen Physik die materiellen Prozesse weiterhin nach festen und unveränderlichen Gesetzen ablaufen und sich scheinbar zukunftslos aus der bisherigen Kausalität ableiten, gelten für die Ereignisse in der dahinter liegenden Potentialität nur noch gewisse Grade abgestufter Wahrscheinlichkeiten, die für einen fortschreitenden NaturProzess offen sind. Schon die Darwin´sche Evolutionslehre, in der neben dem Überleben der „am besten angepassten“ Individuen immer schon eine Weiterentwicklung der Arten durch Mutationen, d.h. genetische „Sprünge“ und nachfolgende Selektion vorgesehen war, konnte der Vermutung Nahrung geben, daß zumindest im Reich des Lebendigen eine Entwicklung in eine biologische Zukunft stattgefunden hat und weiter stattfindet. Inzwischen kann die Quantenphysik besser erklären, wie diese Prozesse in der Natur auftreten. Es gibt nun auch eine physikalische Zukunft im Rahmen einer creatio continua. Damit ist aber überhaupt einem neuen Verständnis von Freiheit und Kreativität in Natur und Geschichte eine Bahn gebrochen. Die Natur und die ganze Welt „geschieht“ ständig neu und ist grundsätzlich veränderlich. Dabei ist das, was wird, eingebunden in das, was war und ist, aber so, daß es diesem eine neue Richtung, einen neuen Impuls geben kann.                            Rolf Dietrich Thoma

2 Gedanken zu “Transzendenz

  1. Hartmut Neumann

    Es ist so einfach, und die einfachsten Dinge sind manchmal die schwierigsten:
    für die Leute, die das Göttliche nicht in sich spüren, ist es apersonal, wer aber
    das Göttliche-in-sich tagtäglich spürt und immerzu gegenwärtig erlebt,
    für den Menschen ist das Göttliche personal.
    Für alle Mystiker ist das Göttliche sicherlich personal, aber es dauert eine Zeit
    des vollen Erkennens, dass das Ich nur ein „Konstrukt“ gewesen ist!
    Auch das Leben in jedem Ich ist das Göttliche-Selbst, es gibt auf Dauer und in Wahrheit
    nur das Eine, das Göttliche-Selbst (alles andere ist sehr, sehr vergänglich.)
    siehe: http://www.gottesundmenschenbild.de

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