Gnade

Guenter Hegele    11. Mai 2016    Kommentare deaktiviert für Gnade

Aus: Jesus.ch

Immer wieder wird in der Bibel von «Gnade» gesprochen. Ein abstraktes, altmodisches Wort, doch es scheint für den christlichen Glauben essentiell zu sein. In der Apostelgeschichte, Kapitel 20, Vers 24 wird die Botschaft von Jesus sogar als das «Evangelium von Gottes Gnade» bezeichnet. Was aber ist Gnade?

Im Lexikon wird Gnade folgendermassen beschrieben: unverdiente Gunst, Zuneigung, Hilfe, Liebeserweis, Güte, Nachsicht, Schonung, Wohltat ohne Erwartung einer Gegenleistung, Barmherzigkeit, Wohlwollen. Im Mittelhochdeutsch bedeutete Gnade auch: sich zum Ausruhen niederlassen, Glück und Erbarmen. Das Gegenteil von Gnade ist Ungnade, Willkür, Gnadenlosigkeit, Unbarmherzigkeit.

Gottes Gnade

Gottes Gnade ist mehr als herablassendes Gönnertum. Wenn die Bibel von Gnade spricht, schwingt immer Gottes tiefe Zuneigung und Wohlwollen mit. Zum Beispiel wird Jesus als Kind in der Bibel so beschrieben: «Er nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade vor Gott und den Menschen.» In anderen Übersetzungen heisst es da: «Gott und die Menschen liebten ihn» (Lukas, Kapitel 2, Vers 52). Gottes Gnade normalen Menschen gegenüber ist eng verknüpft mit dem Versprechen, dass Gott einen nicht fallen lässt. «Mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser» (Jesaja, Kapitel 54, Vers 8). Oder: «Berge mögen einstürzen und Hügel wanken, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und mein Friedensbund mit dir wird niemals wanken, verspreche ich, der Herr, der dich liebt» (Vers 10).

Das Evangelium von Gottes Liebe und Gnade

Die Botschaft von Jesus war eindeutig: Gott liebt Menschen, ohne dass sie es sich verdienen können (müssen?). Nicht wenn der Mensch gut, brav und tugendhaft ist, liebt Gott. Gott liebt bedingungslos, weil er es so will. Er schaut wohlwollend auf die Menschen. Er erwartet keine Gegenleistung. Vor ihm muss man nichts leisten, niemand sein; man kann sich einfach niederlassen, um auszuruhen. Das ist Gnade. Das Leben und Sterben von Jesus sollte der endgültige Beweis dieser Liebe und Gnade Gottes zu den Menschen sein.

Mit Gottes Gnade leben

Die Gnade Gottes gilt tatsächlich für mich. Habe ich das verstanden oder lebe ich immer noch nach dem Prinzip, Gott und die Menschen durch Leistung und Frömmigkeit beeindrucken zu wollen? Eigentlich weise ich ja damit Gottes grosses Geschenk zurück und behaupte, ich könne es auch allein. Nehme ich Gnade nur für den Notfall in Anspruch? Oder habe ich verstanden, dass Gnade annehmen keine Schwäche bedeutet und dass ich mich einfach vor Gott niederlassen und ausruhen kann?