Glauben zwischen Absolutheitsdenken und Beliebigkeit

Guenter Hegele    14. Juni 2016    Kommentare deaktiviert für Glauben zwischen Absolutheitsdenken und Beliebigkeit

Was ist „Glaube“, was heißt „glauben“?

Zum Verständnis von Glaubensinhalten ist es notwendig zu klären, was mit dem Wort „Glauben“ gemeint ist.  Was glauben heißt, läßt sich am besten an den Wirkungen zeigen:  Offenheit für die größere Wirklichkeit Gottes, Hoffnung, Liebe, Zuverlässigkeit.

Meist wird der christliche Glaube aber von seinem Inhalt her beschrieben: glauben „an“ Gott, die Schöpfung, Jesus, die Auferstehung, den Heiligen Geist, die Bibel, die Kirche und ihre Lehren, das ewige Leben (Glaubensbekenntnis). Die Bedeutung solcher Aussagen erschließt sich aber nur in der Grundhaltung des Glaubens als persönliches Betroffensein.

Wie kommt es zum Glauben? Tradition, Gewohnheit, Erziehung und Erlebnisse spielen dabei eine Rolle; nach der Bibel aber mehr das Vorbild christlichen Handelns und das überzeugte Weitersagen der christlichen Botschaft als eigenes Nachdenken und willkürlicher Vorsatz. Auch über Auseinandersetzung und Kritik kann einer zum Glauben finden. Christen erkennen in Anfang, Wachstum und Dauer des Glaubens (oft erst rückblickend) das Wirken des Heiligen Geistes.

Wer den Wert des Glaubens für sich selbst erkannt hat, wird auch anderen dazu verhelfen wollen. Dazu ist Erfahrungsaustausch nützlich, zumal in der Sprache des Glaubens oft Worte und Vergleiche vorkommen, die manchen ungewohnt sind und deshalb erst übertragen und erklärt werden müssen.

Viele sehen in der Wissenschaft eine Konkurrenz für den christlichen Glauben und meinen, daß der Glaube durch sie allmählich seine Bedeutung verlieren wird. Aber wissenschaftliche Forschung kann sich nur auf Teilbereiche menschlichen Lebens und Erkennens beziehen und keine Antwort auf die Frage nach dem Wozu und Wohin und nach dem Ganzen geben. Glaube und Wissen sind eigenständige Formen des Erkennens. Glaube bezieht Wissen ein. Auch die Wissenschaft geht von unbeweisbaren Voraussetzungen aus.

Da der Glaube nicht bewiesen werden kann und die Realität oft ganz anders aussieht, sind Gläubige auch dem Zweifel ausgesetzt. Ihr Glaube muß sich immer neu bewähren (d.h. seine Wahrheit und seinen Wert erweisen). Er braucht Verstärkung, Herausforderung, Anregung und Aktualisierung. Christen suchen und finden das im Gottesdienst, in der Bibel, in der Gemeinschaft und im Gespräch mit Gleichgesinnten und Andersdenkenden, beim Lesen und Beten, vor allem aber auch im sozialen Handeln und Helfen.

Bei zunehmender Offenheit für und Begegnung mit anderen Konfessionen und Religionen wird mehr Vielfalt von Glaubensinhalten und  Glaubensweisen bewusst und es ergeben sich in der Spannweite von „Absolutheitsdenken und Beliebigkeit“ neue Möglichkeiten für Veränderungen, aber auch die Notwendigkeit von Abgrenzungen. Andreas Götze hat den Mut,  dieses umfassende Thema in einem Büchlein der „Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen zunehmen (Nr. 242, März 2016).