Hofgeismarer Erklärung der „Gesellschaft für eine Glaubensreform“

Guenter Hegele    5. Februar 2017    Kommentare deaktiviert für Hofgeismarer Erklärung der „Gesellschaft für eine Glaubensreform“

Lieber Eberhard,

zu Deiner Frage nach einer Bewertung der „Hofgeismarer Erklärung der „Gesellschaft für eine Glaubensreform“: Das kirchliche Menschenbild ist unvereinbar mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und den Grundrechten unserer Verfassung“ kann ich jetzt nicht ausführlich Stellung nehmen. Was ich gerne auch für Herrn Jörns tun würde, dem ich eine Kopie dieser mail schicke (ich versuche gerade, unseren AK-Bericht „Die Reformation  geht weiter – auch für den Glauben“ auf den Weg zu bringen – hoffentlich vorab für die evangelischen aspekte. ). Soviel aber in Kürze: Ich teile die Kritik an der „kirchlichen Sühnopfer- und Erlösungstheologie“ und finde mit Jörns, dass die Kirchen aufzufordern sind, darauf einzugehen.
Dabei wäre allerdings zu beachten, dass  diese  weit bis ins NT zurück reichende Wurzeln hat und zusammen mit anderen Interpretationen des Todes Jesu unterschiedlichen Stellenwert hatte. Das gilt auch für die Menschenbilder, die damit in Verbindung gebracht werden können.

Deshalb kann man m.E. nicht sagen, „das Menschenbild der „kirchlichen Sühnopfer- und Erlösungstheologie“ sei „völlig unvereinbar mit den Menschenrechten.“ Sehr wohl lassen sich von diesem Verständnis  her Aussagen wie die im „Grundlagentext“ der EKD von 2015 zugunsten einer anderen Auffassung in Frage stellen (die von Jörns z.T. ja schon entwickelt wurde).  Es sollte dann aber  auch auf die frühere und bis jetzt (überwiegend) aktuelle und unterschiedlich gesehene Bedeutung dieses Glaubensinhalts (z.B. für die Frömmigkeit) eingegangen werden.

Viel dazu ist in dem hervorragenden Buch von Schalk/Michel „Das Tagebuch der Menschheit. Was die Bibel über unsere Evolution verrät“. (Rowohlt, 570 S) zu lesen. (Ich will dazu eine Rezension mit Leseproben und Zitaten    bringen.). Die beiden Autoren gehen davon aus, dass der Erfolg des Christentums u.a. darauf beruht, dass es unterschiedliche (und sogar gegensätzliche!) kulturelle und religiöse Entwicklungen miteinander  verbinden konnte. Wir vertreten ja in unserem Projekt „Die Reformation geht weiter“ ja auch die Meinung, dass mehr als bisher üblich unterschiedliche Glaubensauffassungen mit- und nebeneinander auskommen können. Das macht die Sache zwar nicht einfacher und müsste an verschiedenen Themenbereichen detailliert versucht und gezeigt werden. (… dass es für möglich und erstrebenswert gehalten wird!  Wir haben in dem Buch „Kernfragen des Glaubens“  damit angefangen, allerdings nicht an dem o.g. Thema). Wahrscheinlich hätte dann eine kritische Aufforderung an  „die Kirchen“ mehr Chancen, aufgenommen zu werden. Ich halte es aber schon aus meinem Verständnis von  „Reformation geht weiter“ als Evolution für angebracht, sich um eine Verbindung bzw. Koexistenz verschiedener Glaubensauffassungen zu bemühen.

Zu Deinen Anfragen zu Kroeger kommt auch noch etwas.
Gut dass du in Hofgeismar dabei bist!

Herzliche Grüße
Günter