Nach „Thesen und Forderungen“ Prof. M. Kroegers.  e

Ein Bericht über seinen Vortrag zum Thema

„Wandel und Reformation des Glaubens heute –  der fällige `Ruck´ in den Köpfen“

am 28.3.14 in Neustadt/W

 

Thesen und Forderungen Kroegers: 

  • Kroeger hält eine kritische Relativierung eigener und kirchlicher Religiosität für notwendig.
  • Er sieht die Legitimität der Ausbildung und Weiterentwicklung eigener Religion und Spiritualität in der religiösen Autonomie aller Menschen, die allerdings dialektisch begrenzt ist.
  • K. fordert, kirchliche und christliche ‚Distanziertheit’ ernst zu nehmen und darin eine Chance für die weitere religiöse Entwicklung zu sehen.
  • Distanziertheit hat sich inzwischen insofern geändert, als sie nicht mehr nur eine Distanz zur Kirche, ihren liturgischen Vollzügen und ihrer gemeinschaftlichen Atmosphäre gegenüber bedeutet, sondern sie ist zu einer religiösen Distanz, zu einem religiösen und theologischen Veränderungs- und Umdeutungswillen im Blick auf zentrale theologische Anschauungen und religiöse Implikationen der bisherigen Theologien geworden.
  • Aufgabe einer religiösen Autonomie ist die gesellschaftlich unausweichliche und theologisch wahre Interreligiosität.
  • Nicht einzuebnende Elemente des Christentums müssen dabei erhalten bleiben.
  • Es wäre eine falsch verstandene Toleranz,  unterschiedslos Wahrheit und Einsicht in allen Religionen anzunehmen.

Dazu eine Auswahl von Texten und Thesen aus dem Buch von M. Kroeger und aus seinem Vortrag am 29.4.14 i n NeustadtZW. .

 
I. Die Ausgangslage:
Das Verständnis des Glaubens wandelt sich. Kroeger hält es für legitim, an den Grundaussagen des reformatorischen Glaubensverständnisses Änderungen vorzunehmen. Niemandem soll dabei etwas genommen werden, was er oder sie für wahr und hilfreich hält. Andererseits sollte allerdings auch keinem Christen der richtige Glaube abgesprochen werden, wenn dieser das Recht in Anspruch nimmt, selber zu denken und in der Kirche für ein anderes Verständnis des Glaubens einzutreten, als das bisher Gewohnte.
Wandel ist kein Verrat – auch das heutige nontheistische Denken nicht.
Nach der Überwindung der Totenkult- Elemente, steht heute die Frage nach Gott in einem lobalen Kontext im Raum. War es das Neue im salomonischen Tempel, dass am üblichen Gottes-Statuen-Platz eine Stelle freigehalten wurde, so ist heute vom Zen-Buddhismus zu lernen, dass die Vorstellung von Gott als Person nicht absolute Gültigkeit hat. Bonhoeffer, Tillich und C. F. v. Weizäcker können dafür angeführt werden, wenn es heißt:
»Gott ist mitten in unserer Welt jenseitig«, »Gott ist personal, aber nicht persönlich« oder »Wunder offenbaren sich auch im Selbstverständlichen «, denn »Gott ist der Name des Geheimnisses der Welt«.
II. Neun Elemente des christlichen Glaubens als Beispiele für eingetretene Veränderungen
1. Die Lehre von der Rechtfertigung der sündigen Menschen durch den Opfertod Jesu (Satisfaktionslehre)
Diese Lehre entstand, weil die frühen Christen sich in dermittelmeerweit existierenden Auffassung verständlich machen mussten. Alle Götter forderten ein (Blut)-Opfer, um die Vergehen der Menschen gegen ihre Gebote zu vergeben. Weil Menschen gegen Gottes Gebote verstießen, mussten sie Opfer bringen, damit Gott ihnen wohlgesonnen sei.Wir heutigen Christen haben ein neues Bild zu entwickeln, so Kroeger. Jesu Tod wird heute nicht mehr als Sühneopfer verstanden.Gott braucht nicht mehr versöhnt zu werden. Die Menschen müssen mit Gott und untereinander versöhnt werden, weil sie sich Gott nicht öffnen, sondern sich vor ihm verschließen. Für den Glauben müssen also keine Opfer mehr erbracht werden, Jesus hat genug gewirkt.
2. Jungfrauengeburt Jesu als zeitgebundene Aussage, das Jesus ohne Sünde ist Die Erzählung von der Menschwerdung Jesu war im antiken Weltkreis eine in allen Religionen
übliche Genealogie. Götter fanden sich in der Welt ein und zeugten mit Menschen neue Halbgötter.Diese Aussagen über Jesus sind nach Kroeger überholt. Es ist nicht nötig, sie als Glaubenssätze aufrecht zu erhalten. Die Metapher der Jungfrauengeburt lässt sich
heute eher im übertragenen Sinn verstehen: Dieser Jesus lebte so vollständig aus dem Geist Gottes wie kein anderer Mensch.
3. Nicht mehr nötiges Denken in der Substanz-Metaphysik Auf Jesus wurden in der Bibel spätantike Kategorien eines Gottesangewandt, woraus die Aussagen »wahrer Mensch und wahrer Gott« abgeleitet wurden – übliche Formeln, die sich auch heute noch Der Ruck in den Köpfen der Kirche in den Glaubensbekenntnissen finden. Im 4. Jhdt. n.Chr. verlangte das philosophische Denken die Göttlichkeit durch Substanzzuschreibungen zu belegen (»Gott war in Christo«). Jesus feierte das Mahl mit Außenseitern der Gesellschaft, denn gerade jene haben das Geschenk des Lebens nötig. Daher auch die Aussage von Paulus,Gott schenkt uns Menschen das Leben aus Gnade.
4. Reduktion der Detailgesetze durch das »Doppelgebot«: Liebe Gott und deinen Nächsten.Um den Vorschriften Gottes im Alltag gerecht zu werden, wurden die Israeliten mit einem Netz von Regeln überzogen. Jesus reduzierte diese Praxis mit dem Doppelgebot der Liebe und zeigte es beispielhaft
am Gleichnis vom Barmherzigen Samariter auf.
5. Das Verständnis der Bibel
Hier behandelt Kroeger die Zusammenstellung von Glaubenszeugnissen, die kurze Zeit nach Jesus erhebliche Unterschiede aufweisen.Es ist neu und anders zu erklären, in welchem Sinn die Bibel »Offenbarung« und »Wort Gottes« ist. Die heutige Auslegung von biblischen
Texten muss zeigen, ob sie heute Lebenshilfe und christlicheBotschaft sein können.
III. Das Gottesverständnis
Unter diesem Thema stellt Kroeger die altbekannte und provozierende
Frage erneut: Gibt es einen Gott? Und zitiert Bonhoeffer: »Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht«, und konstatiert: Gott ist der Name für das Geheimnis der Welt (einer von vielen).
6. Kritik an der Trinitätslehre
Der muslimische Vorwurf an die Christen, sie glaubten an drei Götter – nicht an den einzigen Allah, hat richtige Elemente. Matthäus 28 könnte neu verstanden
werden: Jesus ist das Gesicht Gottes, der Heilige Geist die Macht,
die im Menschen wirkt und zum Glauben hilft.
7. Jesus Gottes Sohn?
Unter dieser Fragestellung betont Kroeger, dass sich im apostolischen
Glaubensbekenntnis nichts zur Gottessohnschaft Jesu findet außer seiner Geburt und se inem Tod. Er ist als Mensch mit seiner Botschaft wahrzunehmen. Der Jesus-Glaube ist eine Lebensform, nicht vorrangig eine Lehre. Dogmen und Lehren sind zeitbedingteVerständnisformen. Sie können aber aus zeitgemäßer Sicht neu interpretiert werden.
8. Jede Vergegenständlichung bedeutet eine unzulässige Konkretisierung des nicht erkennbaren Geheimnisses.Die Bibel arbeitet nach Kroegers Ansicht mit teilweise fatalen Vergegenständlichungen. Luthers »Du sollst Gott fürchten und lieben…« helfe dazu, beide Dimensionen von Gott zu erkennen. Die asiatischen Religionen scheinen in dieser Hinsicht tiefere Erkenntnisse zu haben.
9. Fundamente der Denkweisen verändern
Mit diesem Abschnitt beendet Kroeger seinen Vortrag und bemerkt:»Eine entmythologisierende Bibelinterpretation nötigt dazu, die Fundamente des Blutopfers, der Jungfrauengeburt und der Gesetzestreue zu verändern. Die antiken Mystiken und die mittelalterlichen Metaphysiken sind dem heutigen Kenntnisstand anzupassen nach dem Motto: ›Mit Luther über Luther hinaus‹ und ›was für die Menschen damals Geist war, ist für uns heute nur noch Buchstabe.

2 Gedanken zu “Berichte

  1. Hartmut Neumann

    wie ist das gemeint,aus dem Herzen heraus zu leben?
    „Mit dem rechten Bewußtsein und dem daraus sich
    ergebendem richtigen geistigen Handeln können wir
    die Welt verändern, ein jeder von uns und auch wir
    alle gemeinsam.
    Vorraussetzung ist: Erst das richtige Gottes- und
    Menschenbild schafft die richtige Gesinnung. Und
    die Gesinnung kommt nicht aus dem Kopf,,
    sondern aus dem Herzen!

  2. Hartmut Neumann

    Eine Antwort an Prof. Kroegers:
    Herr Prof. Kroegers, was halten Sie davon, wenn der „Ruck“ nicht in den Köpfen,
    sondern in den Herzen stattfindet? Hartmut Neumann

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