1             Die Gute Nachricht* –  neu zusammengestellt

von Horst Scheitel

Viele Menschen bekennen sich zu Jesus Christus, andere lehnen ihn ab, vielleicht, weil sie nicht richtig oder nicht ausreichend informiert sind. Ihn kennenzulernen ist aber auch nicht so einfach: Er selbst hat weder ein Lehrbuch noch eine Autobiographie geschrieben. über seine Lehre und sein Leben gibt es nur 4 Zeugnisse, die einige Jahrzehnte nach seinem Tod von den Herren Mattäus, Markus, Lukas und Johannes aus mündlichen Überlieferungen zusammengestellt und aufgeschrieben wurden. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn diese Zeugnisse nur Bruchstücke von dem enthalten, was Jesus in Theorie und Praxis lehrte. Erschwerend für das Verständnis wirkt sich zusätzlich aus, daß die Bruchstücke nicht sachlich, sondern zeitlich geordnet zusammengefügt wurden. Dadurch kann der Leser nur mit hohem Aufwand Antwort auf die verschiedenen wichtigen Fragestellungen finden. Beim Suchen stolpert er über Berichte, die den Eindruck erwecken, als habe Gott die Mechanismen, mit denen er die Welt funktionieren läßt, kurzzeitig außer Kraft gesetzt. Im Grübeln darüber, ob es sich hier wirklich um solche wunderhaften Ausnahmen, oder um bildhafte Vergleiche (Lk 5,36; Jh 16, 25) oder die Bedeutung Jesu unterstreichendes Erzählerbeiwerk handelt, gerät Jesu Botschaft weiter in den Hintergrund.
Es muß deshalb versucht werden, wie bei einer Schatzsuche die Perlen aus dem Acker des Neuen Testamentes herauszusuchen ( Mt 13, 44-46) und zu einer Kette auf eine Schnur aufzureihen. Die Gute Nachricht, die Jesus in die Welt brachte, muß sichtbar sein wie eine Lampe, die unter der Schüssel hervorgeholt wurde und nun auf einem erhöhten Platz steht ( Mk 4, 21-23). Dieses ist ein erster laienhafter Versuch.

2              Die Zielgruppe

Jesu Botschaft richtet sich an alle, die unter der durch Menschenherrschaft verursachten Ungerechtigkeit in der Welt leiden und davon krank werden, an alle, die nur für sich leben und merken, daß ihr Leben keine Erfüllung findet und an alle, die für sich leben müssen, weil sie aus irgendeinem Grunde von anderen ausgestoßen wurden ( Mt 11, 28-30).

3              Die Botschaft

Jesus verkündet denen, die darauf warten, daß Gott die böse Welt vernichten und in einer neuen Welt seine uneingeschränkte Herrschaft aufrichten werde, daß die Zeit dafür nun reif sei. Diese Botschaft muß nur fest geglaubt werden und über eine innere Wandlung zu einem Leben nach Gottes Geboten führen ( Mk 1, 15). Das Zusammenleben der Menschen unter Gottes Herrschaft führt zu einer völlig neuartigen Gemeinschaft, die sich von den bisher bekannten Herrschaftssystemen dieser Welt grundlegend unterscheidet: Diese Herrschaft läßt sich nicht mit Gewalt durchsetzen (Jh 18, 36), sondern erfordert die freiwillige Mitwirkung aller Beteiligten.
Wer sich Gott unterstellt, erhält schon in seinem Leben den Lohn der Teilhabe an Gottes Reich. Gleichzeitig sammelt er Frucht für das Gericht Gottes über sein Leben ( Jh 4, 35-36). Das Gericht entscheidet, ob der Mensch das unvergängliche Leben bei Gott bekommt ( Jh 5, 24) oder nicht. Bestehen kann nur, wer das Bekenntnis zu Jesus durch ein Leben nach Gottes Willen bestätigt hat ( Mt 7, 21-23).
Wenn die Menschheit nicht zu Gott umkehrt, wird Gott der Welt ein Ende setzten. In Vorbereitung des Endes werden Kriege und Hungersnöte ausbrechen ( Mt 24, 6-7), das Böse wird überhand nehmen und die Liebe wird bei den meisten erkalten ( Mt 24, 12). Schließlich wird sich die Sonne verfinstern und Himmelskörper werden auf die Erde fallen ( Mt 24, 29). Das Ende kann überraschend eingeleitet werden, wobei den Zeitpunkt nur Gott kennt ( Mt 24, 36). Das ist ein Grund, die Umkehr nicht auf morgen zu verschieben ( Mt 24, 44). Nach dem Ende wird Gott sein Reich unter einem neuen Himmel auf einer neuen Erde vollenden ( Offb 21, 1). Dies ist der späteste Zeitpunkt, wo die Toten auferweckt werden, das Gericht stattfindet und die Geretteten mit Jesus vereint sind ( Mt 25, 31-46).

4              Der neue Mensch

Sich der Herrschaft Gottes unterstellen bedeutet, ein neuer Mensch zu werden.
Jesus wirft den Menschen vor, daß ihr Streben darauf gerichtet ist, voreinander etwas zu gelten ( Jh 5, 44). Dieser Wettbewerb, der Mächtigste, der Stärkste, der Klügste, der Reichste – kurz, der Größte zu sein ( Mt 18, 1), treibt die Menschen an. Sie bleiben dabei jedoch nicht bei der Wahrheit, sondern lügen und schrecken sogar vor Mord nicht zurück. Sie sind Kinder des Teufels ( Jh 8 ,44) und haben einen bösen Geist. Diese Krankheit muß mit Hilfe von Gottes Geist ausgetrieben werden ( Mt 12, 28; Mk 1, 23-27; Lk 6, 18). Außer dem bösen Geist wirkt sich noch eine andere Krankheit lebensfeindlich aus: die Blindheit des Verstandes ( Jh 12, 40). Um diese Krankheiten zu heilen, kommt Jesus als Arzt zu den Menschen ( Mk 2, 17). Er erweckt die Betroffenen zu neuem Leben, indem er ihnen die Gute Nachricht begreiflich macht ( Lk 9, 2 ; Lk 9, 11 ; Lk 10, 9; Mt 11, 5).
Ein Mensch, der vom bösen Geist verlassen wurde, fühlt sich innerlich sauber und aufgeräumt ( Lk 11, 24-25). Das genügt aber noch nicht. Die innere Wandlung muß so umfassend sein, daß sie einer neuen Geburt entspricht ( Jh 3, 3; Jh 1, 13). Sie erfordert eigenes Bemühen und Gottes Hilfe ( Jh 5, 21).
Wer sich Gott unterstellen will, muß in erster Linie für Gott leben und seine Bedürfnisse an die zweite Stelle setzen ( Mt 6, 33). Der Mensch soll Gott von ganzem Herzen und von ganzer Seele lieben und ihm mit dem ganzen Verstand und mit allen Kräften dienen. Diese Liebe und dieser Dienst müssen am Mitmenschen sichtbar werden ( Mk 12, 29-31; Mk 12, 33). Charakteristische Merkmale des neuen Menschen sind: keine Anhäufung von Reichtum, Mitleidensfähigkeit und Hilfsbereitschaft für die Not anderer, Geduld, Elan und Tragfähigkeit auf dem mühsamen und langwierigen Weg für Gottes Sache, Wahrheitsliebe und friedensförderndes Auftreten
( Mt 5, 3-10).
Die Wandlung vom geborenen zum neuen Menschen schließt die Entscheidung ein, für Gott oder das Geld zu leben. Kein Mensch kann beiden dienen ( Lk 16, 13), weil das Herz des Menschen immer dort ist, wo er sein Lebensziel sieht ( Mt 6, 21). Reichen fällt deshalb die Entscheidung besonders schwer ( Mk 10, 23). Dem Geld dient der Mensch auf einem breiten und bequemen Weg, der jedoch nicht zum erhofften Lebensziel führt, sondern in Sinnlosigkeit für den einzelnen ( Lk 12, 16-21) und Chaos für die Welt endet. Gott dient, wer den anstrengenden Weg geht. Dieser gibt dem individuellen Leben Qualität und dem menschlichen Leben insgesamt Bestand ( Mt 7, 13).
Das mögliche Ziel der inneren Wandlung ist ein aus Gottes Sicht vollkommener Mensch
( Mt 5, 48). Das sündhafte Leben vor der Umkehr rechnet Gott nicht an ( Lk 24, 47), sondern er freut sich über jeden, der zu ihm findet ( Lk 15, 7).

5              Die Herrschaft Gottes auf der Erde

Jesus hatte die Menschen durchschaut ( Jh 2, 24-25) und wußte daher, daß die Welt nur durch eine ƒnderung ihres Geistes und ihrer Herzen zum besseren zu wenden ist. Durch Menschen , die sich Gott unterstellt haben, werden mitten in der bösen Welt Keimzellen für das Reich Gottes gebildet ( Lk 17, 20-21). Das Zusammenleben in diesen kleinen Gemeinschaften ist dadurch gekennzeichnet, daß die Menschen einander dienen ( Mt 20, 26; Jh 13, 14-15), jeder mit den Möglichkeiten, die er von Gott bekommen hat ( 1. Petr 4, 10). Je mehr ein Mensch Fähigkeiten hat, desto mehr muß er sie anderen zur Verfügung stellen ( Lk 12, 48). Das darf entsprechend dem Gebot, den Nächsten zu lieben wie sich selbst, nicht einseitig verstanden werden, soll aber wie eine Selbstverständlichkeit geschehen ( Lk 17, 10). Das Vermögen der Gemeinschaft ist Eigentum aller, und jeder bekommt davon soviel, wie er zum Leben braucht ( Apg 4, 32).
Die Ausweitung der Herrschaft Gottes geschieht durch eine wirkungsvolle Verteilung der Gott dienenden Menschen, so wie etwas Sauerteig eine größere Menge Mehl zu Brot werden läßt ( Mt 13, 33). Dabei wird vor Überheblichkeit gewarnt ( Lk 17, 3; Mt 23, 10).
So wächst das Reich Gottes über Generationen mit der Hinwendung zu Gott ( Jh 4, 37-38).

6              Jesus als Verkünder der Botschaft

Jesus hatte sich im Selbststudium mit dem Alten Testament befaßt und erkannt, daß dort Gottes Gebote stark mit von Menschen gemachten Vorschriften vermischt sind. Während Gottes Gebote das Leben des einzelnen und das Zusammenleben der Menschen fruchtbringend regeln, sind die von Menschen willkürlich aufgestellten Verhaltensforderungen eine Belastung und daher gottwidrig ( Mk 7, 5-8; Mt 12, 7). Durch das Zusammentreffen mit Johannes dem Täufer reifte bei Jesus die Gewißheit, daß er der von den Propheten vorausgesagte Retter ist ( Lk 3, 21-22; Mt 16, 20), der das Heil in die vom Bösen beherrschte Welt bringt. Johannes hatte bereits die von Jesus aufgegriffene Gute Nachricht verbreitet ( Mt 3, 1-2), aber gleichzeitig auf Jesus verwiesen, für den er lediglich der Wegbereiter sei ( Mt 3, 11). Jesus sah seine Aufgabe darin, die Menschen von der formalen äußerlichen Erfüllung von Vorschriften zu befreien, indem er ihnen die wahren lebensspendenden Gebote Gottes in den Geist und in das Herz einschreibt und damit den vom Propheten Jeremia angekündigten neuen Bund Gottes mit den Menschen begründet ( Jer 31, 31-34).
Nachdem Jesus die von Gott gestellte Aufgabe erkannt hatte, kam für ihn selbst die Entscheidung, Gott zu dienen oder seine Fähigkeiten zur Erlangung von Macht und Reichtum einzusetzen ( Mt 4, 8-11). Jesus blieb fest. Er begann mit der Verkündigung der Guten Nachricht.
Da er sich vom geschriebenen Wort des Alten Testamentes löste ( Mt 5, 17) und die Botschaft aus einem umfassenden inneren Verständnis heraus verkündete, waren seine Worte für die Menschen so beeindruckend und überzeugend, wie sie es bei einem ausgebildeten Lehrer noch nicht erlebt hatten. Jesus strahlte Autorität aus ( Mk 1, 22). Die Menschen wunderten sich, wie er ohne Lehrer zu so viel Wissen gelangt ist ( Jh 7, 15), warteten auf seine Reden ( Lk 21, 38) und waren von seinen Worten wie gebannt ( Mk 11, 18). Aber es gab auch Zweifel an seiner Aufrichtigkeit ( Jh 7, 12; Jh 10, 19-21), und einige wandten sich wieder von ihm ab ( Jh 6, 66), weil sie ihn nicht verstanden. Jesus bezeichnet sie als unheilbar ( Mt 13, 13-15).
In seiner Verwandtschaft wurde Jesus für verrückt gehalten ( Mk 3, 21), und in seiner Heimat wurde er abgelehnt ( Mt 13, 56-57).
Alle, die sich von seinem Vorwurf, immerfort Böses zu tun, angesprochen fühlten, begannen ihn zu hassen ( Jh 7, 7). Am schärfsten war die Auseinandersetzung mit der Obrigkeit, denn diese war verantwortlich für die belastenden falschen Auffassungen von einer gottgefälligen Lebensweise und selbst vom Bösen beherrscht ( Mt 23, 27-28, Mt 23, 4-7; Lk 20, 47). Für Jesus waren es Blinde, die andere Blinde führen und mit ihnen ins Verderben stürzen ( Mt 15, 14). Es gab einige Angehörige der Obrigkeit, die Jesus verstanden ( Mk 12, 32; Mk 12, 34; Jh 12, 42-43), aber die meisten zeigten sich entrüstet ( Mt 15, 12). Sie warfen Jesus vor, daß er ihre Vorschriften nicht einhielte und obendrein behaupte, von Gott beauftragt zu sein ( Jh 5, 18). Sie vermuteten, daß er andere Auftraggeber habe ( Lk 20, 1-2), stellten ihm Fangfragen ( Lk 20, 20) und schmiedeten Mordpläne gegen ihn ( Mt 26, 3-4). Die genannten Anklagen wurden jedoch nur nach außen vorgebracht, der wahre Beweggrund war der Neid der Unterlegenen ( Mk 15, 10). Jesus rechtfertigte sich, daß es ihm nur um die Ehre Gottes gehe, und er deswegen nichts Unrechtes tue ( Jh 7, 16-18). Er spürte jedoch immer deutlicher, daß seine Hinrichtung unvermeidlich sein würde und kämpfte mit sich um die Fortsetzung seines Weges ( Jh 12, 27; Mt 26, 38-39). Er zweifelte noch im Sterben ( Mt 27, 46), starb aber in dem Bewußtsein, Gottes Auftrag bis zum Schluß erfüllt zu haben ( Jh 19, 30). Er wußte, daß durch seinen Tod die Kraft der Botschaft wachsen und sein Tod der Anfang ihrer weltweiten Verbreitung sein würde ( Jh 12, 24).

7              Christ sein in der Nachfolge

Wir leben wie Christus in der Zeit zwischen Beginn der Herrschaft Gottes mit dem Auftreten Johannes des Täufers ( Mt 11, 12) und dem Ende, das Gott der Welt setzen will, um dann seine uneingeschränkte Herrschaft zu errichten. Für diese Zwischenzeit hat Jesus seine Schüler und die nachfolgenden Christen in die Welt gesandt, um die Gute Nachricht zu verkünden und die Kranken auf den Weg des Lebens zu bringen ( Mk 3, 14-15; Mt 28, 18-20). Nachfolge bedeutet nicht, tatenlos auf Jesu Wiederkehr zu warten ( Lk 13, 27), sondern den gleichen Weg wie er zu gehen ( Jh 12, 26) und für die Ausweitung der Herrschaft Gottes unter den Menschen zu leben. Das heißt, nicht mehr zuerst an sich zu denken, sondern sich die Last des Weges aufzubürden, um zum wahren Leben zu finden ( Mk 8, 34-37). Besonders jüngere Menschen sind angesprochen, die Botschaft anzunehmen ( Lk 5, 37-38) und für grundlegende Erneuerung ohne Flickwerk einzutreten ( Lk 5, 36). Ein Christ, der für Gott lebt, darf sich nicht scheuen, einen Stärkeren auf seine Fehler aufmerksam zu machen ( Mt 22, 16) oder dessen Schlechtigkeit ans Licht zu bringen ( Jh 3, 20; Mt 10, 26). Auf eine Verurteilung soll er jedoch verzichten ( Mt 7, 1-2), und dafür mit offenen Karten spielen ( Jh 3, 21). Das vorrangige Ziel ist dabei nicht, sich selbst zu opfern, sondern die Herrschaft Gottes zu erweitern. Es kann deshalb in manchem Fall klug sein zu schweigen ( Mt 7, 6), auszuweichen ( Mt 12,14-16; Mt 10, 14) oder kompromißbereit zu sein ( Lk 20, 25). In vielen Fällen kann dem Bösen erfolgreich begegnet werden, indem keine Gegenwehr erfolgt ( Mt 5, 39-42). Wenn der Geschäftstrieb einiger Menschen bestimmte Grenzen überschreitet, scheint Gewalt das einzige Gegenmittel zu sein ( Jh 2, 14-16).
Nachfolge bedeutet auch, sich den Schwächeren zuzuwenden und ihnen mit Taten zu helfen ( Mt 25, 40).
In jedem Fall muß der Christ mit Haß und Verfolgung durch die Menschen rechnen, die Böses tun oder Gutes zu tun nicht in der Lage sind ( Jh 15, 18-21; Mt 10, 16-20). Alle, die in ihrem Leben standhaft geblieben sind, können mit der Teilhabe an Gottes neuer Welt rechnen
( Mt 24, 13).

8              Verbündete und Gegner der Christen

Durch die Entscheidung, vorrangig für Gott oder das Geld zu leben, wird die Menschheit in 2 Teile gespalten: Wer nicht für Gott lebt, lebt für das Geld und wirkt so der Sache Jesu entgegen ( Mt 12, 30). Dabei ist zu beachten, daß es Menschen gibt, die nach Gottes Willen leben, ohne sich zu ihm zu bekennen ( Jh 10, 16). Jedes Handeln im Sinne Jesu unterstützt sein Anliegen und muß toleriert werden, es sei denn, es ist mit Aktionen gegen die Christen gekoppelt
( Mk 9, 40). Auch einfache Menschen gehören zur Gemeinde ( Mt 18, 10; Mt 18, 14). Die Entscheidung für Gott kann so einschneidend sein, daß dadurch Familien zertrennt werden ( Mt 10, 34-36; Mt 10, 21), weil sich die Gleichgesinnten zu neuen Familien zusammenschließen ( Mt 12, 47-50).

9              Christlicher Glaube

Für die Nachfolge hat der Glaube zur Ausbildung der treibenden inneren Überzeugung eine entscheidende Bedeutung. Es ist der Glaube, daß Jesus auch nach seinem Tod weiterlebt und Gottes Sache mit Jesus weitergeht ( Apg 5, 38-39). Es ist der Glaube, daß Jesus den einzigen Weg zeigt, der dem persönlichen wie dem Leben überhaupt Gelingen und Bestand geben kann ( Jh 3, 36; Jh 8, 51), weil der Ausgangspunkt ein tiefer innerer Friede bei den Menschen ist
( Jh 14, 27). Wer den Weg Jesu geht, bleibt bei der Wahrheit und sieht das Leben unter Gottes Herrschaft als Ziel an ( Jh 14, 6; Jh 8, 12). Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein ( Mt 4, 4), sondern auch von der Nahrung, die nicht verdirbt ( Jh 6, 27).
Den Glauben erlangt der Mensch mit Gottes Hilfe ( Jh 6, 65) unter der Voraussetzung, daß er sich ständig darum bemüht. Denn wer viel davon hat, bekommt noch mehr dazu, aber wer wenig hat, dem wird auch das noch genommen ( Mt 13, 11-12; Mk 4, 24-25). Es gibt nämlich Dinge in der Welt, durch die die Menschen den Glauben verlieren ( Mt 18, 7).
Das Vertrauen zu Jesus ( Jh 6, 29) wird auch durch das Gebet gestärkt ( Lk 18, 1; Mt 6, 9-13). Christen können Gott um alles bitten, was für die Verbreitung seiner Herrschaft auf der Erde nötig ist ( Jh 15, 7; Jh 15, 16).
Für die Zeit der Abwesenheit Jesu hat Gott den Christen seinen Geist gegeben, damit sie sich in der Welt zurechtfinden und das Ziel nicht aus den Augen verlieren ( Jh 14, 16; Jh 14, 26; Jh 15, 26). Durch diesen Geist ist Jesus bis ans Ende der Welt unter den Menschen und zwar bereits da, wo 2 oder 3 so zusammen leben, wie er es gelehrt hat ( Mt 28, 20; Mt 18, 20).

10         Die Gute Nachricht nach Paulus

Paulus war ein römischer Bürger jüdischer Herkunft ( Apg 21, 39; Apg 22, 27), der Jesus nie persönlich erlebt hat. Als er sich noch Saulus nannte, war er nicht nur ein Gegner der Lehre Jesu, sondern darüberhinaus ein gefürchteter Verfolger der Anhänger der neuen Lehre ( Apg 8, 3). Er setzte sich fanatischer als alle anderen für die überlieferten Lehren ein und übertraf in der peinlich genauen Befolgung der Gesetzesvorschriften viele seiner Altersgenossen ( Gal 1, 14). Eines Tages warf ihn eine Erleuchtung zu Boden, so daß er 3 Tage nicht sehen konnte
( Apg 9, 3-9). Dieses Ereignis brachte für ihn die Geisteswende, und er begann seine Versuche, sich mit einer eigenen Verkündigung Jesu ( Gal 1, 15-17) an die Spitze der Christen zu stellen ( 2. Kor 11, 23; 2. Kor 12, 6).
Paulus rechnet damit, daß noch innerhalb seiner Lebensspanne Jesus wiederkehren, das Gericht Gottes stattfinden und Gott die neue Welt errichten wird ( 1.Tes 4, 15; 1.Kor 7, 29-31). An diesem Gerichtstag möchte er vor Gott bestehen ( 2.Tim 4, 8). Seine Lehre sagt, was dafür zu tun ist, und wie die vermeintlich kurze Zeit bis dahin überlebt werden sollte:
Weil Gott selbst nach dem Zeugnis des Alten Testamentes den einen begnadet und den anderen widerspenstig macht, können irgendwelche Leistungen oder Taten zu Lebzeiten nicht das Entscheidende für das Bestehen im Gericht sein ( Röm 9, 14-18). Mit dem Ungehorsam Adams wurden alle Menschen zu Sündern, und durch den Gehorsam Jesu bis in den Tod kam nun die Generalamnestie ( Röm 5, 18-19). Deshalb kann am ewigen Leben teilhaben, wer mit dem Mund Jesus als den Herrn bekennt und mit dem Herzen darauf vertraut, daß Gott Jesus vom Tod erweckt hat ( Röm 10, 9; vgl. dazu Jesus in Lk 6, 46). Dieser Glaube befreit die Menschen von weiteren Sünden ( Röm 3, 24) und läßt sie in Liebe zusammenleben ( Röm 13, 8-10). Sünden, die das irdische Leben mit sich bringt, haben für Gottes Urteil keine Bedeutung mehr
( Röm 7, 21-25 bis Röm 8,1-10). Wer Sklave ist, soll es ruhig bleiben ( 1.Kor 7, 20-24), und an der Regierung gibt es nichts zu kritisieren, weil sie von Gott autorisiert ist ( Röm 13, 1-2).
Die Lehre des Paulus über die Bedeutung von Jesu Tod und Auferstehung fand bei den führenden Köpfen der Jerusalemer Gemeinde, die noch aus dem direkten Umfeld von Jesus kamen, offenbar weder Zustimmung noch eindeutige Ablehnung. Man einigte sich darauf, daß Paulus seine Lehre außerhalb des jüdischen Kulturbereiches verbreiten könne ( Gal 2, 1-3; Gal 2, 6-9). Diese Lehre spricht eher einfache Menschen an ( 1.Kor 1, 26-27). Sie ist mit dem Verstand nicht zu fassen ( 1.Kor 2, 14-15).

 

*1984 zusammengetragen aus:
Die Gute Nachricht – Das Neue Testament in heutigem Deutsch, Evangelische Haupt-Bibelgesellschaft zu Berlin 1972
Die hier verlinkte Gute Nachricht Bibel hat teilweise andere Formulierungen.

 

2 Gedanken zu “Die Gute Nachricht – Neu zusammengestellt

  1. Robert

    Warum müssen alle Glaubensbekenntnisse immer so lang sein.
    Reicht es nicht zu sagen: Ich vetraue Gott und ich will versuchen meine Mitmenschen zu achten und zu respektieren?

    Jesus selbst hat kein einziges Wort selbst hinterlassen. Sollte uns das nicht zu denken geben?

  2. Helmer Schinowsky

    Selbst die Schrift auslegen ist zwar evangelisch, aber das vorliegende Ergebnis ist nicht lutherisch.

    Nach Luther ist das Reich Gottes niemals etwas Irdisches! Vom Reich Gottes kann man lediglich innerlich beseelt sein. Die gesellschaftliche Wirklichkeit erfordert oder begünstigt dagegen oft ein gottloses Handeln. Gut denken und im Fall des Falles auch mal schlecht handeln ist jedoch kein Widerspruch! Geist und Körper des Menschen sind 2 getrennte, unabhängige Naturen. Daher sind entgegengesetzte Outputs durchaus möglich.
    Die Gebote sind zunächst nur dazu da, den Menschen ein Kriterium für die Unterscheidung von Gut und Böse an die Hand zu geben.
    Primär kommt es für Gottes Wohlgefallen lediglich darauf an, dass man fest an Jesus glaubt und ihn im Herzen trägt. Aus diesem seligen Gefühl heraus geschehen dann als Sekundäreffekt wie selbstverständlich die guten Werke gegenüber den Mitmenschen. Anderen dienen ist Christenpflicht. Auch die Forderungen der Obrigkeit erfüllen ist Dienen, selbst wenn einem dieser Dienst völlig gegen den Strich geht und man darunter leidet!
    Wer, in welchem Zusammenhang auch immer, so extrem gesündigt hat, dass er von einem schlechten Gewissen geplagt wird, kann sich seine Sünden von einem dazu befugten Menschen in einem dem Gottesgericht vorgezogenen Ritual vergeben und somit wieder löschen lassen.
    Scheinbar gute Werke, getan jedoch von Menschen, die nicht Christus im Herzen tragen, sind vor Gott nichts wert, sie sind sogar eine verdammenswürdige Sünde!
    (Quellen: „2-Reiche-Lehre“, „Freiheit eines Christenmenschen“, „Was ist die Beichte?“)

    Sind das die Stellen, wo Luther überwunden werden muss?

    Luther fühlte sich offenbar so gespalten, dass er für sich Geist und Körper trennen musste. Selbst wenn sich zu Luthers Zeiten die meisten Menschen so gefühlt haben sollten, muss das 500 Jahre später nicht mehr der Fall sein. Warum trennen wir uns nicht von dieser Lehre?
    Bekanntlich gibt Gott keine nachweisbaren Audienzen. Woher also weiß Luther, welcher Mensch und welche Handlung Gott wohl gefällt? Woher weiß er, dass Gott die Trennung von edlem Denken und miesem Handeln akzeptiert? Mit welcher Logik kann man sich immer wieder von einem Menschen seine Sünden vergeben lassen, wenn man doch weiß, dass am Ende Gottes Gericht entscheidet?

    Kein Mensch kann sich mit vermeintlich guten Taten Gottes Anerkennung verdienen und sichern. Diese Lehre Luthers klingt einleuchtend. Aber alles menschliche Tun, das die Schöpfung einschließlich der menschlichen Gemeinschaft aus dem Gleichgewicht bringt und zerstört, kann doch vom Schöpfer lediglich zeitweilig toleriert werden, aber niemals akzeptiert sein! Unsere Welt und das Leben in ihr bilden ein dermaßen ausgeklügelt funktionierendes komplexes System, dass man es nur ehrfürchtig bestaunen kann! Zumindest, wenn man sich selbst schon einmal an den Hürden abgearbeitet hat, welche die Verwirklichung eines Projektes zwischenzeitlich immer wieder zurückwerfen. Gottes Wagnis ist, dass er die Menschen mit freier Entscheidung zwischen Gut und Böse ausgestattet hat. Handeln im Geist Gottes kann deshalb nur heißen, sich nicht zum Bösen verführen zu lassen.

    Es gibt immer noch viele Christen, die sich bevorzugt über die Paulus-Luther-Lehre mit Gott verbunden fühlen und mit dieser Lehre leben. Je größer ihr Einfluss in der Welt, desto deutlicher sind ihre Spuren in der Geschichte sichtbar: Krieg, Zerstörung, Chaos, Hunger, Flucht, Vertreibung, Ausbeutung, Übervorteilung, Armut, Zwietracht, Misstrauen … Menschen, die an nichts glauben außer an ihre Fähigkeit zu siegen, hinterlassen die gleichen Spuren. Die Welt füllt sich derzeit in beängstigendem Maße mit den eben genannten Vorzeichen der Instabilität. Die Siegertypen haben an apokalypseähnlichen Geschehnissen stets ihren Anteil. In der Offenbarung werden sie als „Reiter auf dem weißen Pferd“ symbolisiert.
    Für Christen, die sich mit Leib + Seele an Jesus orientieren, gibt es eine Alternative: Gewinnen ohne zu siegen.

Kommentare sind geschlossen.