Pflege im Akkord – Alltag in der ambulanten Alten – und Krankenpflege im Kontext zum reformatorischen Grundgedanken

Von Jana Ezel

 In der Bibel wird die Krankenpflege als eines der sieben Werke der Barmherzigkeit beschrieben (Lukas 10, 25-37). Sie findet insbesondere Erwähnung im Zusammenhang mit dem barmherzigen Samariter.

Die ersten Hospitäler wurden zur Versorgung erkrankter Pilger entlang der Pilgerwege errichtet. Später, mit dem Einzug der Kreuzzüge, wurden ebensolche Einrichtungen auch zur Behandlung und Verwahrung an Lepra erkrankter Menschen errichtet. Ähnliches wiederholte sich mit dem Auftreten der Pest im 14. Jahrhundert.

 

Heute gehören Kranken – und Altenpflegeeinrichtungen zu öffentlichen, gemeinnützigen oder privaten Trägerschaften. Der demographische Wandel und die damit verbundene zunehmende Menge alter und pflegebedürftiger Menschen schafft auf dem heutigen Dienstleistungsmarkt eine große Nachfrage. Im Sinne des kommerziellen Gedankens werden pflegerische Leistungen zunehmend rationalisiert, ein starres System aus Leistungskatalogen macht in vielen Fällen eine liebevolle und angemessene Pflege unmöglich.

 

Die Ambulante Pflege – im Quetschkorsett der Pflegekassen

 

Ich bin leitende Therapeutin eines Ambulanten Pflegedienstes in einer Kleinstadt. Unter mir habe ich zwei Kolleginnen, im Unternehmen sind weiterhin 6 ausgebildete Alten – und Krankenpflegefachkräfte sowie 10 Pflegehilfskräfte beschäftigt.
Als Therapeutin ist es meine Aufgabe, alte oder kranke Menschen in ihrem häuslichen Umfeld zu betreuen und ihnen zu helfen, noch lange qualitativ hochwertig im gewohnten Umfeld zu leben. Eine strenge Vorgabe sind jedoch die festgeschriebenen Zeiten, die durch die Pflegekasse definiert werden. Jede Leistung, die ich an meinen Patienten erbringe, wird exakt auf die Minute festgelegt. Jede zusätzlich benötigte Minute wird mir sowie meinen Kolleginnen und Kollegen nicht vergütet.

In meiner Berufsausbildung habe ich gelernt, Menschen in ihrem eigenen Tempo und auf deren Bedürfnisse abgestimmt zu behandeln – in diesem engen System ist dieser Vorsatz für mich nicht umsetzbar.

Ein Mensch, der durch Krankheit oder Alter beeinträchtigt ist, wird in drei Schweregrade der Pflegebedürftigkeit eingeordnet. Diese sind jeweils abhängig vom Ausmaß der Einschränkungen. Je höher ein Mensch als hilfebedürftig eingestuft wird, desto mehr finanzielle Hilfe schüttet ihm die Pflegekasse aus. Diese Gelder werden zur Finanzierung der benötigten pflegerischen Leistung verwendet, sind jedoch in der Praxis meistens nur ein Zuschuss.

 

Nicht selten habe ich Patienten erlebt, die nach einer schweren Erkrankung lange um die Anerkennung einer solchen Pflegestufe kämpfen mussten. Einige mussten während ihrer Kampfzeit unter unwürdigen Bedingungen leben, weil ihnen wichtige finanzielle oder pflegerische Hilfen verwehrt wurden.

 

Die therapeutischen Leistungen, die ich für einen Patienten erbringe sind in einem speziellen Betreuungskatalog exakt aufgeschlüsselt. Hier steht, wie lange ich für ein Toilettentraining, einen Einkaufsbummel oder ein Gespräch mit dem Patienten maximal brauchen darf. Besonders absurd finde ich die direkte Nennung des Preises meiner Leistung. Wie eine Speisekarte im Restaurant liest sich dieser diffuse Katalog aus Leistungen, die für einige meiner Patienten den oftmals den einzigen Kontakt zur Außenwelt darstellten: ein Einkaufsgang darf maximal 20 Minuten kosten und wird von der Pflegekasse mit einer Pauschale von 20 € vergütet. Absurd.

 

Ich habe mich in den seltensten Fällen an meine Zeiten halten können. Einige meiner Kollegen waren nach vielen Jahren Tätigkeit abgestumpft, meistens ausgelaugt und frustriert von Doppelschichten bei schlechter Entlohnung und fertigten somit Patienten wie im Akkord nach den Zeiten ab.

Ich versuchte stets, mich von dieser Art der Arbeitsdurchführung zu distanzieren. Oftmals geriet ich ins Grübeln und fragte mich, warum die Pflege eines kranken alten Menschen, der sich sein ganzes Leben in der Gesellschaft bewährt hat, von Geld und Besitz abhängig gemacht wird. Und warum die Menschen, die mit sich mit guten Absichten der Pflege Alter und Kranker widmen, heute ausgebeutet und gehetzt werden, warum ihnen das System vorschreibt, im Interesse von Geld und Bezahlung einen Menschen regelrecht abzufertigen.

 

Alltag in der Ambulanten Pflege – hinter jeder Tür ein Schicksal

 

Es ist 6:30 am Morgen und ich beginne meine Tour. Ich hole mir im Büro meinen Tagesplan, einen großen Schlüsselbund mit vielen farblich markierten Schlüsseln und die Autoschlüssel für den Dienstwagen.

Auf meinem Tourenplan stehen exakt die von der Pflegekasse erstattete Arbeitszeit sowie eine Wegepauschale von 20 Minuten Fahrtzeit. Überstunden bekomme ich nicht vergütet.

 

Mein erster Gang führt mich zu einer hochbetagten Frau, die von der Tochter im eigenen Haus gepflegt wird. Auch die Tochter ist krank, hat einen Bandscheibenvorfall und benötigt regelmäßige Therapien.

Das große alte Haus wirkt geradezu gespenstisch still. In der Wohnstube steht bereits ein liebevoll angerichtetes Frühstück. Ich helfe der alten Dame aus dem Bett und versuche zu erreichen, dass sie sich selber wäscht. Gebeugt ist der Gang der 91 – Jährigen, beim Gehen hat sie furchtbare Angst zu fallen und am Knie zeigt sich eine große Narbe. Aus der Krankenakte weiß ich, dass es sich um eine Schussverletzung handelt. Die alte Dame, die sonst sehr wenig redet, möchte sich heute mit mir unterhalten. Sie lacht, spricht mit mir Gedichte und erzählt aus ihrer Jugend. Ich helfe ihr an den Frühstückstisch und schreibe die Leistung in meiner Akte auf. Danach verabschiede ich mich.

Am nächsten Morgen bekomme ich einen Anruf aus dem Büro. Nüchtern teilt mir die Pflegedienstleitung mit, dass die alte Frau in der Nacht verstorben sei, und ich nicht mehr zu ihr fahren brauche.

 

Mein nächster Weg führt mich zu einer 75 – jährigen Patientin, die nach mehreren Schlaganfällen schwer pflegebedürftig ist. Als ich in das Haus eintrete, ist noch einer meiner Kollegen anwesend, der die Dame gerade im Bett gewaschen hat. Die zierliche Frau liegt vollkommen erschöpft in ihrem Bett, das Waschen hat sie offenbar alle Kraft gekostet. Nach meinem Tourenplan muss ich mit der Patientin nun Bewegungsübungen machen, um die vom Schlaganfall gelähmte Körperseite zu mobilisieren. Mittlerweile ist die Dame jedoch fest eingeschlafen und ich entscheide mich, den gelähmten Arm mit etwas Wärme zu lockern und schließlich die angestaute Lymphflüssigkeit auszustreichen.

Plötzlich steht die Tochter der Patientin neben mir im Zimmer, sie bringt mir ein Glas mit Limonade. Sie zeigt mir einen Ordner, in dem sie akribisch protokolliert, wie viel sie ihrer Mutter zu Trinken gibt, wann sie die Mutter im Pflegebett umlagert und sogar wann die Mutter auf eine Ansprache der Tochter reagierte. Während die Frau mittleren Alters mir ihre Aufzeichnungen zeigt, füllen sich ihre Augen mit Tränen und sie beginnt bitterlich zu weinen. „Es tut so weh, meine Mutter so zu sehen.“, sagt sie. „Meine Mutter hat niemals einem Menschen etwas getan und war immer für mich da. So ein Ende hat sie nicht verdient.“

Ich bin erschrocken und habe tiefes Mitleid mit der armen Frau. Ich höre ihr zu, während ich den Arm ihrer schlafenden Mutter massiere. Dann zeige ich ihr, wie sie das Pflegebett im Raum so stellen kann, um die Wahrnehmung ihrer Mutter zu trainieren. Die Tochter ist sichtlich erleichtert über diesen kleinen Hoffnungsschimmer.

Mit einer Verspätung von 15 Minuten mache ich mich auf den Weg zu meinem nächsten Patienten.

 

Ein verhältnismäßig junger Patient erwartet mich bei meinem nächsten Hausbesuch. Ein Blick auf die Biographie des 60 Jahre alten Mannes lässt Tragisches vermuten. Der Mann war lange Jahre Kraftfahrer und glücklich verheiratet. Nach dem Tod der geliebten Ehefrau verfiel er jedoch zunehmend dem Alkohol und war nicht mehr in der Lage zu arbeiten. Der einzige Sohn hat den Kontakt abgebrochen.

Als ich die Tür öffne, kommt mir ein beißender Geruch aus der Wohnung entgegen. Es ist dunkel und schmutzig. Ich stolpere über leere Flaschen, die im Flur stehen. Im Wohnzimmer liegt auf einer schmutzigen Couch mein Patient. Die Vorhänge sind zugezogen. Erschrocken registriert der Mann, dass ich ihn offenbar in einem ihm sehr peinlichen Zustand vorgefunden habe und richtet sich schwankend von seinem Nachtlager auf.

Eigentlich ist hier ein 20 minütiger Aufenthalt vorgesehen, in diesem Zustand möchte ich den Mann jedoch nicht zurück lassen. Ich öffne die Fenster und lasse frische Luft durch die kleine Zweiraumwohnung ziehen. Dann sammle ich die leeren Flaschen ein, die werde ich nachher mit nach unten zum Container nehmen. Schließlich lasse ich einen Eimer mit warmem Wasser voll und säubere noch einmal den Fußboden. Sein Bett richtet der Mann selber. Mein Elan scheint ihn offenbar etwas anzustecken. Nach Ende der gemeinsamen Aufräumaktion komme ich zum eigentlichen Grund meines Besuches, ich schaue mit dem Mann gemeinsam die Tageszeitung durch. Wie viele Alkoholiker lebt auch mein Patient in völliger Isolation. Ich bin, neben dem Krankenpfleger der ihm die Tabletten stellt, sein einziger sozialer Kontakt. Als ich gehen muss, bedauert dies mein Patient sehr. Doch ich habe jetzt schon wieder 30 Minuten der eigentlichen Zeit überzogen.

 

Meine nächste Patientin wartet bereits am geöffneten Küchenfenster. „Mädchen, Sie kommen aber sehr spät!“, ruft sie mir schon von weitem entgegen. Ich besuche die Frau aushilfsweise für eine erkrankte Kollegin. Meine Aufgabe ist es, die Wohnung zu saugen und die Betten zu beziehen. Ein Blick in die Patientenakte der Dame lässt mich staunen: Sie ist 104 Jahre alt.

Ich steige die hölzerne Treppe des eng verschachtelten Hauses nach oben. Die Dame kommt mir schon entgegen. Wieder bin ich verwundert. Sie sieht so lebendig aus, steht aufrecht, hat wache freundliche Augen und ist mit Lidschatten und rotem Lippenstift geschminkt.

„Mädchen, geh mein Bett machen, dann habe ich für dich einen Kaffee und eine Waffel.“ Aus der Küche kommt mir bereits ein Geruch nach frischem Gebäck entgegen.

Nach getaner Arbeit setze ich mich zu der Dame und esse mit Genuss meine Waffel. Nach dieser Hetzerei der letzten Hausbesuche ist dieser Besuch ein wahrer Spaziergang.

Als ich gehe, wundere ich mich darüber, wie unterschiedlich die Menschen doch sind. Die Dame entlässt mich mit den Worten, dass sie bald ganz groß ihren 105. Geburtstag begehen werde.

 

Diese Verwunderung sollte sich bei meiner nächsten Patientin noch fortsetzen. Mit 58 Jahren war sie die Jüngste auf meiner Liste. Sie war gestürzt und hatte sich eine schwere Hüftverletzung zugezogen. Aufgrund ihres Übergewichts ist sie nun an ihr Bett gefesselt. Meine Aufgabe ist es, sie wieder beweglich zu machen. Ich habe keinen Schlüssel und klingle an der Tür. Ein mürrischer Mann, offenbar der Ehemann meiner Patientin, öffnete mir die Tür. „Da drinne.“, mit einer kurze Geste gibt er mir zu verstehen, dass sich meine Patientin offenbar in diesem Zimmer befindet, auf das er deutet. Ich öffne die Tür, die Dame sitzt im Nachthemd auf einer ausgeklappten Schlafcouch vor dem Fernseher. Ihre rot gefärbten Haare sind verklebt vom Schweiß. Ihre Augen sind verquollen und ihr Blick ist traurig und leer.

Ich setze mich zu ihr. Was sie mir erzählt, lässt mich erschauern. Sie war eine kerngesunde Frau bis zu ihrem Sturz. Ihr Mann habe sich von ihr distanziert, weil sie nicht mehr in der Lage war, den Haushalt zu führen. Sie müsse nun auf der Klappcouch schlafen, alleine, denn sie käme ja nicht mehr nach oben in ihr Schlafzimmer.

Zwei Mal musste die Dame schon Widerspruch gegen die Ablehnung ihrer Pflegestufe einreichen. Die Kosten für den Pflegedienst, den sie unbedingt benötigen, zahlen sie von Ersparnissen für die Rente. Bis zu ihrem Unfall war die Frau voll berufstätig.

„Werden Sie bloß nie krank, dann sind Sie in diesem Land verloren.“ , sind ihre letzten Worte an mich und ich fühle mich schlecht, weil ich ihr nicht helfen kann.

 

Zwei Patientinnen erwarten mich noch. Eine Dame besuche ich im örtlichen Pflegeheim. Als ich vor dem Zimmer der Dame stehe, höre ich schreckliche Schreie aus dem Raum. Vorsichtig betrete ich das Zimmer und sehe eine Pflegerin, die meine Patientin gerade rundherum mit Kissen im Pflegebett ausstopft. Meine Patientin ist bettlägerig, allerdings noch klar bei Verstand. Meistens ist die Dame besonnen und arbeitet in der Therapie gut mit. Heute jedoch holt sie die schreckliche Realität jedoch ein und ihre Situation wird ihr im schlimmsten Ausmaß offensichtlich bewusst. Sie schreit und tobt in ihrem Bett, in dem sie wie eine Sardine eingezwängt liegt.

Ich strecke meine Hand nach ihrer Hand aus, um sie zu beruhigen. Da packt sie meine Hand, zerrt daran und schnappt mit den Zähnen danach – sie wollte mich beißen. Ich bin zu Tode erschrocken. „Raus!“, schreit die Patientin und ich respektiere wortlos ihren Willen, verabschiede mich kurz und gehe. An der Wand sehe ich bunte Bilder, von Kindern gezeichnet. „Für die liebe Oma, von deiner Nele.“ Steht darauf in Schulanfängerhandschrift geschrieben.

Nüchtern notiere ich den Vorfall in der Akte, nichts Ungewöhnliches in der Altenpflege. Für Emotionen ist in den engmaschigen Protokollen kein Platz.

Ich denke über den Vorfall nach. Welche Verzweiflung muss ein Mensch empfinden, der sein Leben lang selbständig war und nun plötzlich gänzlich auf andere Personen angewiesen ist, ohne Aussicht auf eine Verbesserung bis zum Lebensende. Ich nehme es der Frau nicht übel, denn ich möchte auch nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass es mir eines Tages leichter fällt.

 

Die letzte Patientin besuche ich zu Hause. Sie lebt dort mit ihrem Mann und leidet an Demenz. Ich finde die Patientin in einem großen Ohrensessel vor, die zierliche Frau versinkt förmlich darin. Sie hat die Beine überschlagen und stützt den Kopf ganz unbeteiligt auf der Lehne auf. Als sie mich sieht grinst sie mich über beide Ohren an.

Bei einem Blick in das Gesicht der Frau erschrecke ich mich sehr. Ihr Gesicht ist übersät von blauen Flecken. Ein Blick auf die Unterarme der Frau zeigt ein ähnliches Bild. Der Ehemann sitzt alleine in der Küche und gibt mir zu verstehen, dass er mit alledem nichts zu tun haben will. Ich gehe auf ihn zu und frage ihn, ob seine Frau hingefallen sei. „Nein.“, sagt der ältere Herr kurz und mit verkniffenen Lippen. Ich hake weiter nach. „Herr X, Ihre Frau ist von frischen blauen Flecken übersät, woher kommen diese?“ „Ich will nichts mit Ihnen zu tun haben, lassen Sie mich in Ruhe!“, brüllt der Mann, dann nimmt er seine Jacke und verlässt die Wohnung. Ich sitze mit der alten dementen Dame alleine und frage sie, was ihr zugestoßen ist. „Sage mal, schlage mal…“ stammelt sie und ich merke, dass sie es mir nicht sagen kann. Ich rufe den Notarzt, die Frau muss in diesem Zustand ärztlich untersucht werden. Nach meinem Tourenplan hätte ich mit ihr 30 Minuten lang Gedächtnistraining machen müssen. Nun stehe ich ihr bei, warte auf den Notarzt, beantworte Fragen und gebe letztlich mein Einverständnis, dass die Dame zur Beobachtung in die Klinik mitgenommen wird. Die Ärzte stellen schließlich fest, dass die Verletzungen der älteren Dame von Schlägen hervorgerufen wurden. Ich veranlasse daraufhin, dass sie in die ambulante Tagespflege aufgenommen wird. Einen ausführlichen Bericht schreibe ich für die Krankenakte.

Am Ende meines Arbeitstages habe ich meine Zeit um ca. 120 Minuten überzogen – Zeit, die mir nicht vergütet wird.

 

Fazit

 

Betrachtet man diese Schilderungen, die allesamt tatsächlich stattgefundene Situationen erzählen, ist der Reformationsbedarf klar. Warum wird die Pflege Alter und Kranker von deren finanzieller Situation abhängig gemacht? Sollte es nicht in unser aller Interesse sein, dass die Menschen die sich ein Leben lang in die Gesellschaft eingebracht haben in Würde ihren Lebensabend gestalten können?

Dass das Wohl der zu Pflegenden wie auch der Pfleger unter dem kommerziellen Interesse steht, finde ich absolut nicht akzeptabel. Hierzu bedarf es jedoch einer Kompromissbereitschaft derjenigen, die von dem Pflegesystem profitieren.

Auch die Situation pflegender Angehöriger muss erheblich verbessert werden. Noch immer ist es so, dass pflegende Angehörige an das Ende ihrer Leistung kommen, weil es nicht genügend erschwingliche Angebote zur Erleichterung gibt.

Insbesondere angesichts des demographischen Wandels in Wechselwirkung mit der derzeitigen Arbeitsmarktsituation (Niedriglöhne, Teilzeitarbeit etc.) ist eine zukünftige Altersarmut eine bedrohliche Wahrscheinlichkeit. Wer soll dann noch die teuren Pflegedienstleistungen bezahlen können? Diese Aussichten sind nicht in weiter Ferne, sie betreffen voraussichtlich bereits die nächsten beiden folgenden Generationen. Der Bedarf einer Reformation liegt unumstritten auf der Hand.

Ich möchte an dieser Stelle gerne Raum für Diskussionen lassen. Welche konkreten Vorschläge haben Sie zur Umsetzung des reformatorischen Gedankens innerhalb des bestehenden Pflegesystems? Diskutieren Sie auf der Plattform mit mir darüber.