Was ist zu reformieren?

Das ist die Frage. Was sind „Reformen für den Glauben?“ Martin Luther wollte nicht „die Kirche“ oder „den Glauben“ reformieren, sondern Missstände wie den Ablasshandel abschaffen. Er brachte Veränderungen in Gang, die sich aus einem neuen Verständnis der Bibel und von Lehrsätzen der Kirchen ergaben. Zur Erinnerung an die Reformation gehört auch die Mahnung, sich nicht im Schatten einmal gefundener Formulierungen sicher zu fühlen, sondern im aktuellen Kontext weiter zu suchen nach dem, was heute aus der Sicht des Evangeliums gesagt werden muss.

Der „Glaube“ ist komplex und vielfältig. Veränderungen des Glaubens können nur beispielhaft an begrenzten Bekenntnissätzen und Verhaltensweisen aufgezeigt werden, die in einem größeren Zusammenhang stehen. Sie vollziehen sich weithin auch ohne das Zutun von Gläubigen und werden unterschiedlich bewertet. Gründe für die Weiterentwicklungen in religiöser und kirchlicher Praxis sind nicht leicht zu erkennen und werden zunehmend auch mit wissenschaftlichen Methoden untersucht.

Als sicher kann gelten, dass seit „der Reformation“ Martin Luthers nicht mehr nur die Deutungshoheit der Kirchen für Fragen des Glaubens maßgebend ist (und schon gar nicht der Machthaber in einer Gesellschaft), sondern sich auch Gläubige ohne kirchliches Amt dafür zuständig fühlen dürfen.

Dem entspricht unter anderem auch ein Interesse an neuen Möglichkeiten des Glaubens und Offenheit für neue Formen religiöser Praxis und Gemeinschaft, die sich mit den traditionellen Glaubensweisen verbinden lassen. „Reform des Glaubens“ will nicht einfach überliefertes und bewährtes Glaubensgut durch Neues ersetzen, sondern auch Althergebrachtes durch neue Interpretation und neuzeitliches Verständnis erklären.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Den Pflegedienst in unserer Gesellschaft reformieren!“

Das fordert Jana Ezel, selbst in der Pflege tätig. Lies ihren bewegenden Bericht und schreib deine Meinung.

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Genannt wurde bisher und z.T. mit der Bearbeitung begonnen:

– Ewiges Leben  /  – Gottesdienst  / – Abendmahl/Eucharistie / – Glaubensbekenntnis

– Liebe  /  – Nächstenliebe  /  – Moral  /  – Auferstehung   /    –  Sünde/Schuld/Vergebung

……………..    hier können Sie  können Sie weitere  Themen zur Diskussion stellen und die bisher gemachten Vorschälge kommentieren:

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Wenn Sie bisher schon  genannte, weitere neue oder Ihre eigenen Vorschläge kommentieren möchten, können Sie dies auf „Ihre Themenvorschläge“ tun oder sich des folgenden Formulars bedienen:

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Es folgen Kommentare zu der Frage, was auf dieser blog-site zur Bearbeitung ausgewählt werden sollte:

Ein Leserbrief in der „Rheinpfalz“ nach einer kirchl. Diskussionsveranstaltung:

Doe Kirchen müssten radikal umdenken„!
Dass die beiden Gäste auf die Frage, was denn der Nachrichtenwert der Botschaft sei, die vor 2000 jahren alles veränderte – ,Jesus ist auferstanden“ -, die konkrete Antwort schuldig gebliepen sind, wundert mich nicht im Geringsten. Vor 2000 jahren schlug diese Nachricht wie eine Bombe ein, hatte mithin einen Nachrichtenwert. der bis in die heutigen Tage reicht. Allerdings sind mittlerweile 2000 jahre vergangen, die Welt ist keine Scheibe mehr und dreht sich (auch schon seit 600 jahren bekannt) um die eigene Achse. Die Menschheit hat an Erkenntnissen dazugewonnen, vor allem in den letzten 200 jahren, die moderne (wissenschaftliche) Bibelforschung stellt einige unbequeme Fragen und Erkenntnisse bereit, die den Kern des Glaubens massiv berühren und, seien wir ehrlich, wer glaubt ernsthaft noch an den Kern des Glaubens?
jungfrauengeburt, Opfertod, leibliche Auferstehung und Aufnahme in den „Himmel“ (wo immer er sein mag), zur Rechten des Vaters sitzend, irgndwann zu kommen, um zu richten. Das sind zweifellos Botschaften, die für die Menschen vor 2000 jahren wichtiger waren als die sozialpolitischen Themen, die jesus während seines Lebens und Wirkens umgetrieben und zu seiner Verurteilung und seinem Tod geführt haben: Das Gesetz ist für den Menschen da und nicht der Mensch für das Gesetz. die Bergpredigt, die bedingungslose Liebe Gottes macht opfernde Priester überflüssig, die sich als allein berechtigte Vermittler zwischen Gott und den Menschen verstehen, die Freiheit und Würde jedes Menschen gleich welcher Herkunft oder Rasse oder gesellschaftlicher Stellung oder Krankheit/Behinderung.
Von Karl Rahner stammt meines Wissens der Ausspruch (sinngemäß):
„Das Christentum der Zukunft wird mystisch sein oder es wird nicht sein“.
Die persönliche Gotteserfahrung, in welcher Form auch immer, gepaart mit drr aktualisierten Botschaft des Jesus von Nazareth, diese Botschaft hätte sicher einen vermittelbaren Nachrichtenwert. Aber dazu müssten die christlichen Kirchen so radikal umdenken, dass es an die Grundfesten des eigenen Selbstverständnisses geht – für die katholische Kirche noch wesentlich brisanter als für die reformatorischen.
Christian Lauer, Eisenberg

6 Gedanken zu “Was ist zu reformieren?

  1. Pingback: Neue Themen – neue Vorschläge – Die Reformation geht weiter

  2. Hartmut Neumann

    Ich meine, eine Glaubensreform ist dann sinnvoll,
    wenn Mystiker dabei mitwirken dürfen; denn ohne
    mystische Erfahrung ist alles nichts!
    Hartmut Neuman mit eigenen mystischen Erfahrungen.
    siehe auch: „gottesundmenschenbild.de

    1. Guenter Hegele Artikelautor

      Dazu wären Beispiele hilfreich (In dem Buch Gott 9.0 sind welche zu lesen). Mystik ist hierzulande ziemlich unbekannt und z.T. verdächtig.

  3. Werner Grau Artikelautor

    Glaube und Dogmen im Wandel
    Kirchliche Dogmen müssen sich vor dem Richterstuhl der universalen Vernunft als einsichtig erweisen. Ihnen eignet kein überzeitlicher Offenbarungscharakter. Von daher können wir auch das Auseinandertreten von Privatreligion und öffentlicher Religion verstehen. Gerade die Betonung des individuellen Gewissens hat für die lutherische Reformation einen wichtigen Schritt zur Lösung aus religiöser Bevormundung bedeutet, wenn auch noch nicht das individuelle Recht auf Dissens. Seither besteht aber auch das Dilemma, dass zwar die Rückkehr zu einer autoritären Zentralinstanz ausgeschlossen wurde, der völlige Verzicht auf überindividuelle Verbindlichkeit im Interesse religiöser Subjektivierung aber jegliche Glaubensgemeinschaft zum Verschwinden brächte, was zu der Frage führte, ob die Freiheit eines Christenmenschen in der Gestalt subjektivierter, individualisierter Religion anerkannt werden kann, ohne dass man jeglichen Glaubensinhalt der Beliebigkeit anheim gibt.

    Begriffe und Inhalte des Glaubens werden immer wieder neu interpretiert. Nicht nur durch neue Erkenntnisse, sondern auch im Wandel des Zeitgeistes, des Lebensgefühls, das wir mit anderen Menschen teilen. Dann wird die Sprache, vergangener Generationen, in denen sie ihren Glauben gefasst und bekannt haben, nicht mehr ohne weiteres verstanden. Der Plausibilitätsverlust durch ein verändertes Weltbild wird mit Unverständlichkeit gleichgesetzt und ruft Unbehagen hervor. Daraus entsteht Ablehnung selbst wenn keine wirklich neue Einsicht an die Stelle des Alten tritt.

    Wie wir diesem Unbehagen (als Protestanten, Lutheraner, Evangelikale) begegnen wollen, das begründeter Vermutung nach zur Distanzierung von der Kirche beiträgt, is eine drängende Frage

    Gott existiert in Relationen, innerhalb der Trinität und gegenüber den Menschen. Gott setzt sich als Person, der Mensch findet sich als Person vor, das ist der Unterschied.
    Es scheint aber, dass Gott geradezu auf die Beziehung mit uns angewiesen ist, dass er es darauf angelegt hat, in dem er uns zu dem hat werden lassen, was wir sind, bewusste Personen. Er hat den Weg gewählt, mit Lust und Liebe extrovertiert zu sein. Gott hat etwas davon, dass wir leben. Denn „Die Toten werden dich nicht loben“.
    Wird damit nicht auch die mit diesem Bild verknüpfte Topologie von Himmel und Hölle außer Kraft gesetzt, sinnfällig als Reich der göttlichen Herrlichkeit und als Reich des Todes angesprochen, und in das Apostolikum eingegangen mit dem „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ und dem „aufgefahren in den Himmel, sitzend zur Rechten Gottes“ ?Wir gehen an anderer Stelle darauf ein, s. Kernfragen 12 / 13(,

    Nicht nur die Phase des menschheitlichen Glaubens an den dreistöckigen Aufbau mit dem Oben des Himmels und dem Unten von Erde und Unterwelt findet sich als naives Verständnis diskreditiert, auch der aufklärerische Geist der Weltentzauberung durch Forschergeist verliert sich zum Echo eines jugendlichen Enthusiasmus, der stolz war, den Kinderglauben abgelegt zu haben und der sich doch erst am Anfang des langen Weges zur Reife findet. Wir erblicken eine Aufklärung auf dem Weg, sich selber aufzuklären.
    ann“?
    Mit welchen Worten wollen wir diesen Glauben bekennen, wenn er nicht Gewissheit bedeutet, sondern nur Suche heißen kann? Immer noch mit den Formeln des Apostolikums, die vielen fremd geworden sind, die für andere aber gerade die Kernstücke dessen bewahren, das sie des Glaubens für würdig halten? Auch wenn sie nach einer Auslegung verlangen, die sie mit unserem als verbindlich hingenommen neuen Weltwissen vereinbaren lassen.

  4. Werner Grau Artikelautor

    Welche Reformation wollen wir wie weiterführen?

    Für eine Fortführung der Reformation können wir uns nur dann auf die Reformation Luthers berufen, wenn wir an seiner zentralen Einsicht festhalten, die ihm in den Worten von Paulus im Römerbrief zuteil geworden ist.

    Unterstellen wir der Behauptung von der fortschreitenden Säkularisierung der Welt prognostische Kraft, gleich welche globalen Befunde ihr widersprechen mögen, dann liegt darin eine Herausforderung an die ganze christliche Ökumene, auch wenn wir uns zunächst nur als Protestanten in der EKD angesprochen fühlen können.
    Herausforderung (und Chance) will auch ein Votum der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) erkennen. Wir finden darin Hinweise, welche Revisionen unser Gottesbild für die Zeitgenossen attraktiver machen können, ohne dass es den Anspruch aufgibt, christlich zu heißen.

    Sinngemäß ist dort zu lesen:
    Ein unterschiedsloser Synkretismus würde der uns übertragenen Verantwortung für einen gemeinsamen Glauben und die Gestaltung der Gemeinschaft der Glaubenden nicht gerecht werden.
    Heute werden die Gläubigen wie die Kirchen mit ungewohnten dogmatischen und ethischen Auffassungen von Gott, Welt und Mensch konfrontiert. Viele leiten daraus ab, dass eine neue subjektivierte und individualisierte Gläubigkeit und Religion heute einen Ausdruck der Freiheit eines Christenmenschen darstellt.
    Wir sind umgeben von einem neuen Reichtum an Erkenntnis und Erschließung einer Vielfalt an Deutungsmöglichkeiten der Wirklichkeit, die auch dem Glauben neue Anschlussmöglichkeiten öffnen. (So auch F:W.Graf in „Gotter global“).
    Sie sind nicht durch neue Indoktrinierung aus der Welt zu schaffen. Doch müssen wir uns leiten lassen vom Anspruch, die Glaubensinhalte nicht der Beliebigkeit unter Verzicht auf gemeinschaftsbildenden Konsens aufzugeben.
    Wir müssen einem Individualismus gerecht werden, der sich aus den Herausforderungen, Erfahrungen, Sehnsüchten und Sorgen jedes Menschen ergibt. Den Antworten, die sie sich selber zu geben versuchen, müssen wir begegnen mit den Antworten, die die Glaubensgemeinschaft anbietet.

    Dabei dürfen wir den Unterschied zwischen Glauben und Wissen als zwei unterschiedlichen Modi des Fürwahrhaltens nicht verwischen. Für Wissen muss intersubjektive Übereinstimmung erziel werden. Glauben fordert eine Entscheidung, die nicht einfach an wechselnde Lebensumstände oder an den jeweiligen Zeitgeist angepasst werden kann.
    Allerdings haben zentrale Inhalte der biblischen Überlieferung und des christlichen Glaubens, wie der Glaube an Gott den Schöpfer der Welt, das Vertrauen auf sein Wirken in der Geschichte oder die Erwartung eines Endes von Zeit und Geschichte, heute an Plausibilität verloren. Auch die Plausibilität ethischer Maßstäbe der Bibel kann nicht mehr vorausgesetzt werden. Sie müssen offen begründet oder auch hinterfragt werden.

    Zwar müssen wir die biblischen Texte in ihrem Entstehungs- und Überlieferungszusammenhang begreifen, doch sind in den Überlieferungsprozessen des biblischen Kanons stabile Vorstellungszusammenhänge entstanden. Sie bilden gewissermaßen den „nicht einzuebnenden“ Kernbestand des christlichen Glaubens.
    Zu diesem Kernbestand gehört ein Gottesverständnis, dessen Konturen aus dem Alten Testament entstammen und das sein spezifisches Gesicht durch das Christusgeschehen des Neuen Testaments gewonnen hat. Dazu gehört ein Schöpfungsverständnis mit Schöpfer und Geschöpf in einem personalen Gegenüber. Dazu gehört ein Geschichtsverständnis, nach welchem sich Gottes heilsames Handeln nicht aus der Welt heraushalten lässt, die Welt aber auch in die Perspektive ihrer endzeitlichen Vollendung stellt.

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